Liebehenschel/Noll fliegen zum Havelland-Sieg, Pahlitzsch/Pust-Schmidt bestes PRS-Team auf Platz 9

Liebehenschel vor Rostek, Andervang und Lösch – der Endstand der Havelland-Rallye sieht aus wie eine Kopie der Rallye Bad Schmiedeberg. Doch auf den 62 WP-Kilometern zwischen Start und Ziel ringen sie um jede Sekunde, kämpfen mit rutschigen regennassen Pisten und sorgen für Hochspannung.

Als „heftig, aber geil“ charakterisiert ein Teilnehmer die 53. PRS-Havelland-Rallye beim Zieleinlauf. Das trifft nicht nur zu auf die legendäre Flugkuppe über die Industriebahn bei Brück. Während die Top-Piloten vor dem „Schanzentisch“ kurz lupfen, wird ein Gruppe-G-Volvo bis zum letzten Meter beschleunigt, legt den höchsten und weitesten Flug hin – und trennt sich bei der heftigen Landung von seiner Vorderachse.

Heftig, aber toll (und typisch für die Havelland-Rallye) sind auch die unterschiedlichen Fahrbahnbeläge: Asphalt, Pflaster, Betonplatte, Schotter, Naturwege und Sand wechseln ständig. Und nach vier trockenen Ausgaben gilt in diesem Jahr „Wet Race“: Nebelnässe schon bei der Besichtigung, nach dem Start beginnt es zu nieseln, daraus wird ein Dauerregen für den Rest des Tages. Das Wetter ist für die Streckenposten und die vielen Zuschauer heftig und nicht toll, für die Fahrer hingegen sehr heftig und toll. Denn die Plattenwege bieten feinstes Bauernglatteis und erfordern absolute Konzentration, vor allem beim Bremsen – zumal die beiden letzten der sechs WPs in stockfinsterer Nacht gefahren werden. 

Die Favoriten setzen sich sofort an die Spitze und liefern sich einen offenen Schlagabtausch. Dark Liebehenschel (Skoda Fabia Rally2 evo) markiert die erste Bestzeit vor Thomas Lorenz (Skoda Fabia R5), Dennis Rostek (Skoda Fabia RS Rally2), Stig Andervang (Hyundai i20 Rally2) und Herbert Lösch (Skoda Fabia R5). Auf WP 2 überrascht Lorenz die Konkurrenz und lässt die vier Konkurrenten hinter sich, eckt aber in WP 3 an und gibt anschließend auf. Hier fährt Andervang die schnellste Zeit vor Rostek, der nach einem Frühstart eine 10-Sekunden-Strafe mitschleppt, und Liebehenschel. Der führt zu diesem Zeitpunkt mit 17 Sekunden vor Lösch, 19 vor Andervang und 22 vor Rostek.

Rosteks fabelhafter Endspurt

Dann folgt der große Auftritt von Dennis Rostek. Auf der WP 4, dem 13-km-Marathon über die Windrad-Schotterwege bei Deutsch Bork, fährt er die Bestzeit mit einem Riesenvorsprung von 15 Sekunden auf seine Konkurrenten und liegt nur noch 2,7 Sekunden hinter dem Spitzenreiter. Auch die vorletzte WP gewinnt der Pole-Promotion-Chef; jedoch wehrt sich Liebehenschel nach Kräften, büßt lediglich Zehntel ein. Beim abschließenden 13-km-Sprint liegen Rostek, Liebehenschel und Andervang innerhalb von nur 11 Zehntelsekunden, doch Dark Liebehenschel und Linus Noll retten 7 Zehntel und feiern in Beelitz den vierten Saisonsieg. Die Abstände wachsen im Nachhinein noch um 10 Sekunden, weil Rostek und Andervang an der gleichen Schikane gepatzt haben. Dennis Rostek und Alexander Hirsch sowie Stig Andervang und Steffi Fritzensmeier steigen neben den Siegern aufs Podium, das Herbert Lösch und Lara Quast knapp verpassen, aber immerhin den NC0-Klassensieg feiern können.

Zwei Berliner Fahrer schaffen es unter die ersten Zehn: Thomas Pahlitzsch mit Copilot Kevin Pust-Schmidt werden als bestes PRS-Team im Peugeot 208 T16 Gesamtneunte und Zweite in der Klasse NC0, Andre Raupach und Clara Wildgrube im Toyota Yaris GR kommen als Gesamtzehnte und zugleich bestes Gruppe-G-Team ins Ziel.

Und die übrigen PRS-Teams? Maximilian Irmer und Mike Schütte im Audi Coupé Quattro V6 haben mit Rang 13 die Top 10 zwar knapp verpasst, sichern sich aber mit rund 40 Sekunden Vorsprung vor BMW M3-Pilot Nico Weigert mit Copilot Robert Riedel, dicht gefolgt von Sven Schumann und Torsten Hopfer (Audi 90 Quattro) den Sieg in der Klasse NC2. Andre und Stine Schmidt im Moskwitsch 2140, Klasse NC4, müssen vor der letzten Prüfung mit abgebrochenem Schalthebel und geplatztem Kühlerschlauch ihr Auto leider vorzeitig abstellen.

Tuominen Schnellster in der NC1

Bei den Allradlern in der Klasse NC1 holen die Finnen Rasmus Tuominen und Tuomas Pöntinen im Mitsubishi Lancer Evo 9 alle Bestzeiten und siegen mit 1:23 Minute vor Raphael Ramonat und Karina Derda im Evo 10. Rudi und Simone Weileder, die schon zweimal die Havelland-Rallye gewonnen haben, erreichen im Evo 8 den dritten Klassenrang in der NC1. Vor dem Finale bei der Lausitz-Rallye hat Tuominen die beste Ausgangslage im Schotter-Cup, während Ramonat erster Anwärter auf die ADMV-Meisterschaft ist.

Fabian Schulze bester Nicht-Allradler

Fabian Schulze und Clara Bettge sind bei den 2WD-Fahrzeugen an diesem Tag eine Klasse für sich, sie werden hervorragende Gesamtachte und brauchen gut 3 Minuten weniger als die nächstbesten „Zweiradler“ Stephan Dammaschke (mit André Seelisch im Renault Clio) und David Bauer (mit Anika Gräber im BMW 318 Compact). Diese beiden Crews dominieren die 2-Liter-Klasse NC3 nach dem Ausfall von Ford Fiesta-Pilot Yannik Keller. Noch vor dem beständigen Torsten Brunke im VW Golf 3 GTI fährt der Autocrosser Jeremy Friebe im Opel Astra auf Rang 3.

4 Tage nach dem 18. Geburtstag: Klassensieg!

Mit 13 Startern ist die Klasse NC4 bis 1600 cm³ zahlenmäßig am stärksten besetzt. Gerade 18 geworden, legt der Schmiedeberger Suzuki-Pilot Ian Hayn, mit Rigo Sonntag auf dem heißen Sitz, eine fehlerfreie Fahrt hin und feiert den Klassensieg mit 13 Sekunden Vorsprung auf den VW Polo von Max Becker und Christian Straach. Als bestes der sechs Lada-Teams erreichen Thomas Funke und Larissa Weigel Platz 3 vor den Junioren Moritz Wagner und Leonard Nitzsche. In der kleinste Klasse NC5 nehmen Tobias Gutewort und Alexandra Schimmel (Nissan Micra) die Pokale in Empfang. Last but not least: Norbert Meyer schafft im Volvo 940 beim 7. Einsatz den fünften Sieg in der Klasse NC9 und kann sich – siehe unten – zwei Titel sichern.

Anspruchsvolle Strecken, die wie üblich gute Organisation durch die PRS Berlin und ein kompaktes Rallyezentrum auf dem Beelitzer Jakobs Hof zeichnen die Havelland-Rallye aus. Von den 62 gestarteten Teams erreichen 42 das Ziel.

1.Dark Liebehenschel / Linus NollSkoda Fabia Rally2 evoRC238:45,6
2.Dennis Rostek / Alexander HirschSkoda Fabia RS Rally2RC2+10,7
3.Stig Andervang / Steffi FritzensmeierHyundai i20 N Rally2RC2+20,1
4.Herbert Lösch / Lara QuastSkoda Fabia R5NC0+37,5
5.Rasmus Tuominen / Tuomas PöntinenMitsubishi Lancer Evo 9NC1+1:19,1
6.Raphael Ramonat / Karina DerdaMitsubishi Lancer Evo 10NC1+2:42,5
7.Rudi Weileder / Simone WeilederMitsubishi Lancer Evo 8NC1+3:29,9
8.Fabian Schulze / Clara BettgePeugeot 208 Rally4RC4+4:11,7
9.Thomas Pahlitzsch / Kevin Pust-SchmidtPeugeot 208 T16NC0+4:35,4
10.André Raupach / Clara WildgrubeToyota GR YarisNC6+4:36,1
11.Ingmar Wandner / Hendrik WandnerMitsubishi Lancer Evo 7NC1+5:12,7
12.Benjamin Derda / Tizian StahlMitsubishi Lancer Evo 10NC1+6:05,9
13.Maximilian Irmer / Mike SchütteAudi Coupé Quattro V6NC2+7:13,6
Schotter-Cup: Liebehenschel vor Keller

Durch den Ausfall von Yannik Keller hat Dark Liebehenschel wieder die Führung im Schotter-Cup übernommen. Rasmus Tuominen ist mit dem vierten Klassen- und Kategoriensieg auf Platz 2 vorgerückt vor die punktgleichen Norbert Meyer und Stig Andervang. Vor dem Finale in der Lausitz hat allerdings Tuominen, der den Ausfall in Wittenberg als Streichergebnis betrachtet und bei der Lausitz-Rallye volle Punkte kassieren kann – wie auch Keller und Weileder -, während Liebehenschel, Meyer und Andervang bereits fünfmal ins Ziel kamen und deshalb von den Lausitz-Punkten ein Streichresultat abziehen müssen, die besseren Chancen auf den Gesamtsieg. Bei den Junioren bleibt Yannik Keller vorn, doch Ian Hayn wahrt durch seinen Klassensieg eine kleine Chance auf den Titel. Die Polo-Crew Max Becker und Christian Straach steht als Sieger bei den Einsteigern fest.

Zwischenstand: 1. Liebehenschel 2655, 2. Tuominen 2388, 3. Meyer+Andervang 2298, 5. Keller 2214, 6. Weileder 1982, 1472, 7. Brunke 1896, 8. Raupach 1855, 9. Joachim 1756, 10. Lösch 1729. Junioren: 1. Keller 2214, 2. Hayn 1624, 3. Wagner 1378. Einsteiger: 1. Becker 1588.

ADMV-Meisterschaften: Zwei Titel für Meyer

In den ADMV-Rallye-Serien hat die Havelland-Rallye ebenfalls schon die ersten Titelentscheidungen gebracht. Norbert Meyer sichert sich im Gruppe-G-Volvo 940 die beiden nördlichen Regional-Titel – die Landesmeisterschaft Berlin-Brandenburg und die offene ADMV-Meisterschaft Sachsen-Anhalt/Berlin-Brandenburg – jeweils ganz knapp vor Maximilian Irmer und Mike Schütte, die sich im Audi Coupé Quattro V6 und Suzuki Swift am Steuer abwechselten.

Quasi „zu Fuß“ endet das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Titelverteidiger Pierre Günther und Junior Yannik Keller um den Sieg im ADMV-Rallye-Pokal. Als Günthers frisch eingebauter Honda-Motor auf WP 1 verraucht und an Kellers Fiesta eine Welle im Getriebe abschert, ändert sich in der Tabelle nichts mehr: Pierre Günther und Dominic Gräbner gewinnen den ADMV-Pokal knapp vor Yannik Keller und Lilly Kunz. Auf Platz 3 verbessern sich Fabian Schulze und Clara Bettge, denen die „Nasenlandung“ in Bad Schmiedeberg den Titel gekostet hat.

Die ADMV-Meisterschaft – mit Raphael Ramonat als neuem Spitzenreiter vor Torsten Brunke – und die Sächsische Meisterschaft werden erst in der Lausitz entschieden.

Meisterschaft: 1. Ramonat 3530, 2. Brunke 3023, 3. Keller 2935, 4. Wagner 2704, 5. Meyer 2613. U25: 1. Keller, 2. Wagner, 3. Hayn

Pokal: 1. Günther 3785, 2. Keller 3696, 3. Schulze 3406, 4. Meyer 2988, 5. Raupach 2850