Ein Rennen voller Rückschläge, Aufholjagden und großer Emotionen
Am vergangenen Wochenende stand mit dem ADAC RAVENOL 24h-Rennen Nürburgring eines der absoluten Highlights der Motorsportsaison auf dem Programm. Mehr als 160 Fahrzeuge, Zuschauerrekord mit 352.000 Fans rund um die Nordschleife und die gewohnt wechselhaften Bedingungen in der Eifel sorgten erneut für ein Wochenende, das an Spannung kaum zu überbieten war.
Für mich ging es erneut gemeinsam mit Adrenalin Motorsport auf dem BMW M240i mit der Startnummer #650 an den Start. Meine Teamkollegen in diesem Jahr waren Yannick Fübrich, Santi Baztarrica und Ben Albers.

Bereits am Donnerstagmorgen begann das Rennwochenende mit der RCN Rundstrecken-Challenge Nürburgring. Dort konnte ich mit dem 2.0-Liter 320 WTCC BMW direkt ein starkes Ergebnis erzielen und neben dem Klassen- und Gruppensieg auch Gesamtplatz 6 von insgesamt 139 Startern einfahren. Das war ein perfekter Auftakt und hat mir zusätzliches Selbstvertrauen für das bevorstehende 24h-Rennen gegeben.
Am Nachmittag und Abend stand dann das erste Qualifying für das 24h-Rennen auf dem Programm. Die Bedingungen waren typisch Nürburgring: starker Regen, Hagel und ständig wechselnde Streckenverhältnisse machten jede Runde zu einer Herausforderung. Unser Fokus lag deshalb zunächst darauf, sauber durch das Qualifying zu kommen und das Auto ohne Schäden wieder zurückzubringen, was uns trotz der schwierigen Bedingungen gelungen ist.
Am Freitag konnten wir unsere Pace weiter steigern und uns schließlich mit Platz 2 in der Klasse eine sehr gute Ausgangslage für das Rennen sichern. Besonders beeindruckend war dabei die enorme Leistungsdichte in unserer Klasse. Insgesamt gingen 11 Fahrzeuge an den Start, die durch das Cup-Reglement technisch nahezu identisch waren. Dadurch entschieden oft Kleinigkeiten über Positionen und Fehler durfte man sich über die komplette Distanz praktisch keine erlauben.

Als am Samstag um 15 Uhr die Startampel auf Grün sprang, verlief unser Auftakt zunächst nahezu perfekt. Bereits in meinem ersten Stint gelang es uns, die Führung in der Klasse zu übernehmen und uns früh im Rennen vorne festzusetzen. Doch wie schnell sich ein 24h-Rennen verändern kann, zeigte sich nur kurze Zeit später. Einer meiner Teamkollegen verunfallte auf der GP-Strecke, konnte das Fahrzeug jedoch noch zurück an die Box bringen. Sofort begann die Crew von Adrenalin Motorsport mit der Schadensanalyse und den Reparaturarbeiten.
Die Mechaniker haben in dieser Situation einen unglaublichen Job gemacht und das Auto in kürzester Zeit wieder einsatzbereit bekommen. Trotzdem verloren wir knapp 30 Minuten und fanden uns bei noch 22 verbleibenden Rennstunden plötzlich auf dem letzten Platz wieder, mit fast drei Runden Rückstand auf die Spitze.
Für uns war aber sofort klar, dass Aufgeben keine Option ist. Gerade bei einem 24h-Rennen auf der Nordschleife kann sich das Blatt jederzeit wenden, wenn man konzentriert bleibt und fehlerfrei arbeitet. Genau das haben wir getan. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns wieder nach vorne und konnten vor allem durch konstante Rundenzeiten, eine saubere Strategie und ein fehlerfreies Rennen im dichten Verkehr wichtige Zeit gutmachen.
Dann folgte allerdings der nächste Rückschlag. Beim Boxenstopp wurde festgestellt, dass der Auspuff herunterhing und zusätzlich die Heckschürze beschädigt war. Erneut musste repariert werden und erneut verloren wir mehrere Minuten. Zwischenzeitlich sahen die Hochrechnungen so aus, dass wir bis zum Rennende rund 15 Sekunden pro Runde hätten aufholen müssen, um überhaupt noch eine Chance auf den Sieg zu haben.
Besonders während der Nacht funktionierte bei uns dann aber alles perfekt. Fahrer, Team und Strategie arbeiteten hervorragend zusammen und gegen 8 Uhr morgens lagen wir tatsächlich erstmals wieder auf Position 1 in der Klasse. Lange hielt die Ruhe allerdings nicht an, denn wenig später traten erneut Probleme am Auspuff auf der GP-Strecke auf. Wieder ging es zurück an die Box, wieder musste repariert werden und erneut verloren wir wertvolle Minuten.
Trotzdem haben wir nie aufgehört zu kämpfen. In den letzten Rennstunden kam zusätzlich leichter Regen auf, wodurch die Bedingungen noch einmal schwieriger wurden. Die Strecke war teilweise feucht, jedoch nicht nass genug für Regenreifen. Genau diese Mischbedingungen machen die Nordschleife besonders anspruchsvoll. Nach dem letzten Boxenstopp, rund 40 Minuten vor Rennende, lagen wir schließlich mit etwa einer Minute Vorsprung auf Platz 1. Ab diesem Moment ging es nur noch darum, das Auto sicher und ohne unnötiges Risiko ins Ziel zu bringen und genau das ist uns gelungen.

Mit dem Sieg beim 24h-Rennen konnte ich gleichzeitig meinen fünften Klassensieg in Folge feiern. Ein unglaubliches Ergebnis, gerade in einer so stark besetzten und ausgeglichenen Klasse.
Dieses 24h-Rennen hatte wirklich alles: schwierige Wetterbedingungen, Rückschläge, Reparaturen, Aufholjagden und Spannung bis zur Zielflagge. Umso stolzer bin ich auf die gesamte Mannschaft von Adrenalin Motorsport. Jeder Einzelne im Team hat an diesem Wochenende alles gegeben, sowohl in der Box als auch im Cockpit. Genau solche Rennen zeigen, wie wichtig Teamarbeit im Langstreckensport ist und warum das 24h-Rennen Nürburgring jedes Jahr aufs Neue etwas ganz Besonderes bleibt.
Sven Markert
